Dienstag, 23. Januar 2018

Kurzbericht zum Lawinenunfall am Naßfeld am Freitag, den 19.01.2018

 
Am Freitag, den 19.01.2018 um 11:30 Uhr´,  löste eine siebenköpfige geführte Freerider-Gruppe aus Niederösterreich eine Schneebrettlawine außerhalb des gesicherten Skiraumes im Trogtal am Naßfeld aus. Eine 53 jährige Alpinistin war Mitglied der Freerider-Gruppe und wurde von der 30 m breiten und 160 m langen Schneebrettlawine erfasst und stürzte über einem 38° Grad steilen Nordosthang ab und erlitt schwere Beinverletzungen.

 

Kurzanalyse:

Über den Kärntner Gebirgsgruppen lag am Freitag, den 19.01.2018, eine kräftige West- bis Nordwestströmung mit dichten Wolken und nur vereinzelt mit geringem Niederschlag. Am Tag zuvor, am Donnerstag, den 18.01.2018 wehte ein stark bis stürmischer Wind aus Nordwesten, der für frische Triebschneeablagerungen sorgte. Der Triebschnee wurde meist in mehreren Schichten abgelagert. Eine Schneedeckenuntersuchung zeigte die verschiedenen Härteunterschiede und auch den eingewehten Graupel. Das Schneebrett wurde an der härteren Altschneedecke mit Graupel ausgelöst die als potenzielle Gleitfläche für Schneebrettlawinen angesehen werden kann.  Die Freerider-Gruppe fuhr mit dem Trogkofellift zur Bergstation. Anschließend wählten sie im freien Skiraum die  Route in das Trogtal. Eine 53 jährige Niederösterreicherin löste bei der Einfahrt in den sehr steilen Hang ein Schneebrett aus.

 


Die 53 jährige Alpinistin aus Niederösterreich löste das 30 m breite und ca. 160 m lange Schneebrett außerhalb des gesicherten Schiraums am Naßfeld in den Karnischen Alpen .



An einem sehr steilen Nordosthang wurde die Lawine ausgelöst

Anrisshöhe vom Schneebrett 10 bis 30 cm


Zwei Tage vor dem Unfall wurde am Naßfeld durch dem LWD K eine Erkundung durchgeführt. Es wehte der teils stürmische Nordwestwind der für die Schneeverfrachtungen sorgte.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Wochenrückblick von Mittwoch 10. Jänner bis 18. Jänner 2018


In der Nacht auf Mittwoch erfasste ein Tief  aus dem Mittelmeerraum mit Niederschlägen, Regen bis 1700 m in den südwestlichen Gebirgsgruppen Kärntens. Untertags am Mittwoch weiteten sich die Niederschläge auf weite Teile des Landes aus. Es kühlte nur wenig ab. Die Schneefallgrenze pendelte zwischen 1200 m und 1700 m. Ab Donnerstag setzte sich schwacher Hochdruckeinfluss durch. In den hohen Lagen  der nordwestlichen  Kärntner Gebirgsgruppen setzte sich sonniges Wetter durch.
Am Freitag herrschte schönes Wetter in den nördlichen Gebirgsgruppen Kärntens wie am Feldkopf in den Hohen Tauern
Im Süden war der Himmel bis in die neue Woche hinein meist bedeckt und am Sonntag schneite es in den Kärntner Nockbergen bis zur Koralpe hin leicht. Ab Freitag drehte der Wind auf Nordost bis Ost und es wurde merklich kälter. Ab 2000 m herrschten Tagestemperaturen von – 6 Grad am Freitag  und ab Sonntag  bis - 10 Grad. Neuerliche Wetterveränderungen zum Wochenbeginn. Ein Frontensystem brachte zuerst milde Luft in den Kärntner Gebirgsgruppen mit unergiebigem Schneefall. Von Dienstag bis Donnerstag brachte eine Kaltfront von Norden in den nördlichen Staulagen der Hohen Tauern Neuschnee und teils starken stürmischen Wind. Am Mittwoch wehte der kräftige teils stürmische Wind bis in die Tallagen.

 
Niederschläge am Mittwoch, den 10.01.2018 - Regen bis 1700 m - In den Staulagen der Karnischen Alpen schneite oberhalb von 2000 m bis  zu 80 cm







Niederschläge bis zum Donnerstag, den 18.01.2018 in den Staulagen der Hohen Tauern ~ 30 - 40 cm Neuschnee mit Wind sorgte für umfangreiche Triebschneeablagerungen


Die Schneedecke hatte in der letzten Woche  erst ab Lagen über 1700 m Neuschneezuwachs bekommen, und dies in den Karnischen Alpen, Karawanken, Kreuzeckgruppe, Gailtaler Alpen und Hohen Tauern. Laut der INCA Analysekarte (ZAMG) sind die größten Neuschneemengen in den Karnischen Alpen gefallen. Bis zu 80 cm Neuschnee wurden dort oberhalb von 2000 m gemessen, 50 bis 60 cm oberhalb von 2000 m  in den Hohen Tauern und in der Kreuzeckgruppe. Am Sonntag wurde die Schneedecke durch die neuerlichen Niederschläge ganz leicht „angezuckert“. Die Schneedecke konnte sich durch die milden Temperaturen weitgehend gut setzen und ab Freitag durch die sinkenden Temperaturen gut verfestigen. 

Die neuerlichen Niederschläge in den nördlichen Staulagen brachten in den letzten zwei Tagen bis zu 30 - 40 cm an Neuschnee. Der stürmische Nordwestwind sorgte für umfangreiche frische störanfällige Triebschneeablagerungen.
Neuschnee in den letzten 24 Stunden am Mohar 2053 m in den Hohen Tauern 





Der Windmittelwert von 45 km/h  in den Hohen Tauern sorgte für umfangreiche Triebschneeablagerungen



Windböen bis zu 100 km/h am Sonnblick und 70 km/h am Mohar in der Asten 2053 m










Der Wind sorgte am Mittwoch für die Triebschneeablagerungen - Naßfeld in den Karnischen Alpen 


Die Lawinengefahr stieg durch Neuschnee und Regen verbreitet auf ERHEBLICH an. Triebschnee sowie durch den Regeneintrag Nassschnee waren die Lawinenprobleme der letzten Tagen in der Vorwoche. Durch die sinkenden Temperaturen verfestigte sich die Schneedecke zum Wochenende und es herrschte allgemein in Lagen über 2000 m, vor allem in den Karnischen Alpen, Kreuzeckgruppe und Hohen Tauern,  MÄSSIGE Lawinengefahr und darunter sowie in den restlichen Gebirgsgruppen Kärntens verbreitet GERINGE Lawinengefahr.
Durch Neuschnee und Wind stieg die Lawinengefahr am Mittwoch (17. Jänner 2018) in den westlichen Gebirgsgruppen auf ERHEBLICH an. In den östlichen Gebirgsgruppen herrschte MÄSSIGE Lawinengefahr.


Die eingelagerten Schichten sind sehr deutlich erkennbar - Ankogel/Ebeneck 2320 m in den Hohen Tauern

Glatter Bruch - an einer härteren Schicht

Mittwoch, 10. Januar 2018

Kurzübersicht über die Neuschneemengen in den letzten 24 Stunden in den Kärntner Gebirgsgruppen

Laut der INCA Analysekarte (ZAMG) sind die größten Neuschneemengen in den Karnischen Alpen gefallen. Bis zu 80 cm Neuschnee wurden dort oberhalb von 2000 m gemessen. 50 bis 60 cm oberhalb von 2000 m  in den Hohen Tauern und in der Kreuzeckgruppe.

 
Bei der LWD Messstation Hochtor 2353 m in den Hohen Tauern (Schigebiet Heiligenblut) wurden 35 cm Neuschnee gemessen. Der Wind aus südlichen Richtungen war stark bis stürmisch, so dass es vor allem in den neuschneereichen Regionen zu umfangreichen Verfrachtungen kam.
Bei der LWD Messstation Asten/Mohar 2053 m in den Hohen Tauern wurden 25 cm Neuschnee gemessen.
Milde Temperaturen bis zum Dienstag 09.01.2018 - zuerst Regen bis in hohen Lagen. LWD Messstation Elewitschwand 1993 m

An der LWD Messstation Elewitschwand 1993 m in den Hohen Tauern wurden 40 cm Neuschnee gemessen


 

Auch in den mittleren Lagen der Kreuzeckgruppe wie hier auf der Embergeralm 1935 m wurden Neuschneemengen von 25 cm gemessen.

Geringe Neuschneemengen in den Gailtaler Alpen wie hier am Goldeck 1914 m wurden 25 cm Neuschnee gemessen

 

In den mittleren Lagen der Karnischen Alpen wurden 25 cm Neuschnee gemessen wie hier auf der Mauthner Alm. Jedoch oberhalb von ~ 2200 m und mehr fielen bis zu 80 cm an Neuschnee

 

Geringere Neuschneemengen in den Kärntner Nockbergen - Turracher Höhe 1816 m von 15 bis 20 cm



 
Erst gegen Niederschlagsende schneite es in den mittleren Lagen der Karawanken. Auf der Zelenica Messstation 1536 m wurden nur geringe Neuschneemengen gemessen. Hier hat es sehr lang in die Schneedecke geregnet und es dürfte die dort mächtige Schneedecke sehr durchfeuchtet und geschwächt sein. Daher auch der Grund das bereits durch die Durchfeuchtung am vergangenen Wochenende eine mittlere Nassschneelawine auf dem Transportweg abgegangen ist.

 


Eine große Nassschneelawine im Tauerntal in Mallnitz (Alpinpolizei Spittal an der Drau)



Nassschneelawine - Zelenica in den Karawanken am vergangen Wochenende


 


Dienstag, 9. Januar 2018

Rückblick vom 30. Dezember 2017 bis 09. Jänner 2018




 


Vor Neujahr haben zwei Warmfronten teilweise milde Temperaturen aber auch Niederschläge in das Gebiet der Hohen Tauern gebracht und teilweise stieg die Nullgradgrenze bis in hohen Lagen. Der Neujahrstag brachte von Süden her teilweise Regen und Schneefall. Nur in den Karawanken und Karnischen Alpen wurden größere Regenmengen und Neuschneemengen gemessen. In den restlichen Gebirgsgruppen wurden geringere Niederschlagsmengen gemessen. Durch eine kräftige Nordwest bis Westströmung am Mittwoch hat der Wind sehr stark zugenommen und in den Hohen Tauern schneite es. Ab Donnerstag wurde eine weitere Warmfront wetterwirksam. In den Oberkärntner Gebirgsgruppen schneite es leicht. In den südöstlichen Gebirgsgruppen waren die Gipfel meist frei. Ab Freitag drehte die Strömung auf Südwest es wurde deutlich milder und die Frostgrenze stieg auf über 2000 m an.

Von Montag (08.01.2018) auf Dienstag steuert ein neuerliches Mittelmeertief milde und feuchte Luftmassen in den südlichen Alpenraum. Ab 2000 m werden bis zu 50 cm Neuschneemengen in den Karnischen Alpen erwartet. In hohen Lagen der Karnischen Alpen wurden bereits am Dienstagfrüh 30 – 40 cm Neuschnee gemessen.
 


 


Neuschneezuwachs und Schneedeckensetzungen,  vor allem die Verfrachtungen durch den Wind sind an der Messstation Asten in den Hohen Tauern des  LWD ersichtlich. Der Neuschneezuwachs am 28.12.2017 und am 02.01. sowie am 4.01.2018.


In den Nockbergen gab es in der letzten Woche nur wenig Neuschnee jedoch die Schneedecke konnte sich auf Grund der Sonneneinstrahlung und milden Temperaturen setzen.

Deutliche Schneedeckensetzung auf der Zelenica - südseitigen Karawanken.

Milde Temperaturen bis in hohen Lagen LWD Messstation Mohar/Asten in den Hohen Tauern

Die Schneedecke konnte sich bei allgemein milden Temperaturen und Sonnenschein recht gut setzten. An der Altschneedecke bildete sich ein recht kräftiger Harschdeckel mit umgewandelten Schneekristallen.

 
 



Bilderbuchskitouren in den Karnischen Alpen 


Auch ein Einkehrschwung an der Almhüttenterrasse bei der Korathütte durften die Skitourengeherinnen nicht versäumen.

Die schönsten Wintertage waren am 30.12.2017 und der Silvestertag jedoch waren diese Tage auch durch die umfangreichen Verwehungen mit Triebschneeablagerungen, kleinere Neuschneemengen in den Hohen Tauern,  zu einem der Lawinen aktivsten Tage.   
 

Früh übt sich - der kleine Skitourenmeister aus Kötschach Mauthen ist bereits fleißig unterwegs. Bild: Wallner 

 
Montag (08.01.2018) in den Karnischen Alpen Bild: Wallner
 

Durch den Neuschneezuwachs am Neujahrstag und am 2. Jänner wurden bis zu 35 cm in den nördlichen Gebirgsgruppen gemessen.  Der Wind sorgte wiederum für umfangreiche störanfällige mittlere Triebschneeablagerungen. Vor allem am Donnerstag den 4.1.2018 brachte die neuerliche Störung wieder geringe  Neuschneemengen in die Hohen Tauern ( ~ 25 cm). Immer wieder wurden in Folge Spontanlawinen beobachtet. In mittleren Lagen, vor allem in den besonnten Südhängen, wurden auch Gleitschneerutsche beobachtet.

 


Gleitschneerutsch in den Karnischen Alpen an der Südseite



 
Durch die neuerlichen milden Tage konnte sich die Lage recht schnell entspannen und die Schneedecke  verfestigte sich und es bildete sich wieder ein recht kräftiger Harschdeckel an der Altschneedecke. Ab Montagabend (08.01.2018) gab es  neuerlich Niederschlag durch das Mittelmeertief in den südlichen Gebirgsgruppen. Am meisten schneite es oberhalb von 2000 m in den Karnischen Alpen sowie auch in der nördlichen Kreuzeckgruppe und in den Hohen Tauern. Der Wind sorgte wiederum für umfangreiche größere Triebschneeablagerungen, die auf einer Altschneedecke mit einer Harschkruste liegen.
 


 
 
Föhnsturm am 1. Jänner 2018 in den Kärntner Gebirgsgruppen wie hier der Trogkofel
 
Verwehungen an der Altschneedecke
 
Durch die milden Temperaturen und Sonneneinstrahlung bildete sich an der Altschneedecke in den letzten Tagen oft ein tragfähiger Harschdeckel (Bilder: LWD Kärnten)


 
 
 
Schneebrettlawine am Mölltaler Gletscher - Bild: FEST Klagenfurt

Lawinenereignisse in den letzten 10 Tagen - Schneebrettlawine am 30.12.2017 am Mölltaler Gletscher und eine Nassschneelawine auf der Zelenica in den Karawanken
Neuschneezuwachs am 09. Jänner 2018, um 11.00 Uhr laut INCA Analysekarte
 
Beginnend mit allgemein ERHEBLICHE Lawinengefahr, entspannte sich die Lawinengefahr in den letzten Tagen, in den südöstlichen Gebirgsgruppen. In den hohen Lagen der Tauern herrschte stets eine heikle Lawinensituation. Durch die neuerlichen Niederschläge stieg die Lawinengefahr auf allgemein EHRHEBLICH an.




 

 



 


Freitag, 29. Dezember 2017

Zwei Freerider von Lawine verschüttet

Am Freitag gegen 10.20 Uhr lösten zwei Freerider unterhalb des Schareckgipfels in einer Seehöhe von ca. 2800m, bei der Abfahrt außerhalb des gesicherten Skiraumes ein Schneebrett aus. Die beiden Freerider, welche die Standardausrüstung mitführten, wurden in dem 35° steilem WSW-Hang rund 250m von der Lawine mitgerissen, und am Ende wurde einer der beiden totalverschüttet und der andere teilverschüttet.

Die beiden Freerider waren in einer Gruppe von Skifahreren unterwegs, welche die beiden Verschütteten rasch aus der Lawine befreien konnten und die Rettungskräfte alarmierten.
Die beiden Lawinenopfer blieben unverletzt.

Lawine am Ausschnitt von der Webcam Bergstation-Altecklift

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Wochenbericht und Zusammenfassung über die größeren Neuschneemengen in den südlichen Gebirgsgruppen Kärntens!


In den vergangenen 24 Stunden hat es in ganz Kärnten geschneit. In vielen südwestlichen Tallagen fiel Schnee. Neuschneemengen von 85 cm und mehr wurden an den Messstationen des Lawinenwarndienstes Kärntens gemessen. Die Niederschlagsanalysekarte INCA der ZAMG zeigt Neuschneemengen bis zu 100 cm an. Im Moment schneit es noch in den südlichen Staulagen. Der Schneefall dürfte allerdings in den nächsten Stunden aufhören und es wird in den nächsten Tagen winterlich Kalt. Der Schneefall wurde teils durch starken Südwestwind begleitet. Umfangreiche frische störanfällige Triebschneepakete wurden gebildet. Mit spontanen vieler mittlerer Lawinen ist zu rechnen die auch Verbindungswege betreffen könnten.
 

 
Tage zuvor konnte sich die Altschneedecke auf Grund der teilweisen milden Temperaturen verfestigen und es bildete sich meist ein tragfähiger Harschdeckel auf dem als Schwachschicht frische gebildete Schneebretter abgleiten können. Derzeit liegt in den Gebirgsgruppen Kärnten bereits eine mächtige Schneedecke. In den niederschlagsreichen Karawanken, Karnischen Alpen  bis zu 200 cm und mehr. In den Gailtaler Alpen und Kreuzeckgruppe  150cm, in den Nockbergen und in den hohen Lagen der Hohen Tauern ~ 100 cm. Geringere Schneemengen liegen in den Gurktaler Alpen sowie auf der Sau- u. Koralpe von ~ 60 bis 70 cm.  
 
 Messstationen des Lawinenwarndienstes Kärnten mit den Neuschneemengen und die Gesamtschneehöhen in den einzelnen Gebirgsregionen










 

 

 



Am Wochenende und  Wochenbeginn herrschte allgemein MÄSSIGE Lawinengefahr in Kärnten. In den Hohen Tauern ERHEBLICHE Lawinengefahr. Durch die Niederschläge stieg die allgemeine Lawinengefahr auf ERHEBLICH an. In den Staulagen der Karawanken und Karnischen Alpen ist die Lawinengefahr auf GROSS angestiegen.


Triebschneeproblem
Neuschneeproblem
 
 

 
 
Zelenica in den Karawanken der Eingang zur Schutzhütte auf 1536 m liegen ca. 2 m
 
NH-WF (LWD - K u. SLO) Messstation auf der Zelenica